The Communist http://www.thecommunist.de A communications blog Wed, 06 Mar 2013 10:40:00 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.5.1 Sponsoring: Nennt das Kind beim Namen! http://www.thecommunist.de/sponsoring-nennt-das-kind-beim-namen/ http://www.thecommunist.de/sponsoring-nennt-das-kind-beim-namen/#comments Wed, 06 Mar 2013 10:40:00 +0000 Sachar http://www.thecommunist.de/?p=158 + read more]]> Unsere Events werden mit viel Aufwand produziert.

Unsere Events werden mit viel Aufwand produziert.

Die letzten Wochen waren aufregend: Wir hatten mit Philipp Rösler unseren Wirtschaftsminister zu Gast. Er sprach in einem restlos überfüllten BASE_camp über Start-Ups. Und während wir noch dachten, dass das schon ziemlich großartig sei, flatterte uns ein Angebot auf den Tisch: Ob wir Lust hätten, mit John Kerry, dem neuen US-Außenminister ein Event zu machen? Hatten wir. Und machten wir. Innerhalb von drei Werktagen organisierten wir gemeinsam mit facebook und der US-Botschaft ein Townhall-Meeting.

Ist Nennung Schleichwerbung?

Und trotzdem bin ich nicht zufrieden. Was mich konkret stört: Wir können uns nicht über mangelndes Interesse von der Presse beklagen. Bei unserem UdL Digital Talk saßen beim Rösler-Event Vertreter vom Spiegel, vom Tagesspiegel, von der dpa, Gründerszene, Venture Village und einigen anderen Publikationen. Einige der Journalisten und Blogger haben Beiträge verfasst und publiziert. Und einige von ihnen, das ist mein springender Punkt, verzichten darauf zu sagen, in welchem Rahmen und wo sich Rösler äußerte. Dann steht da nirgendwo, dass das Event UdL Digital heißt, dass es im BASE_camp stattfand und dass es von E-Plus initiiert wurde. Warum? Weil Journalisten (ob nun der berichterstattende Redakteur oder der Chef vom Dienst) meinen, dass es nicht richtig sei, dass Unternehmen auf diese Art und Weise Publizität erhalten; es sei fast schon Schleichwerbung.

CSR = Gesellschaftliche Verpflichtung + gute Presse

Ich gebe zu, dass ich mich nicht besonders wohl fühle, wenn ich Fußball schaue und sich der Reporter aus dem easyCredit-Stadion, der AWD- oder der Imtech-Arena meldet. Dann denke ich, dass unsere Welt ganz schön kommerziell geworden ist. Fakt aber ist auch: Ohne die Unternehmen, die bereit sind, sich als Sponsor zu engagieren, würde unsere Welt anders ausschauen. Fußball würden weniger Geld verdienen (damit könnten wir wohl am ehesten umgehen), es würden aber auch viel weniger Veranstaltungen stattfinden. Museen, Galerien und Opernhäuser existieren längst nicht mehr nur, weil sie nicht nur von öffentlicher Hand gefördert werden, sondern auch weil private Unternehmen Millionen und Milliarden in die Hand nehmen. Wir machen das alle, weil wir es als unseren gesellschaftlichen Auftrag verstehen. Und wir machen das auch verdammt noch mal wegen der guten Presse. Ist doch klar. Brauchen wir nicht um den heißen Brei herumzureden.

Wo war John Kerry? Richtig, im BASE_camp.

Wo war John Kerry? Richtig, im BASE_camp.

Wenn also nach unserem Rösler-Event acht Artikel in großen Medien erscheinen und nur in drei von ihnen das Event genannt wird, habe ich ein Problem. Wie soll ich legitimieren, dass wir für so ein Format Geld in die Hand nehmen, wenn hinterher nicht genug Publizität auf uns übergeht? Wenn es blöd läuft, werden wir irgendwann damit aufhören. Schließlich verlangen wir von unseren Besuchern kein Geld. Wir machen die Events, weil sie Teil unserer Arbeit sind. Wir bringen Stakeholder zusammen, bauen Beziehungen auf, stellen das Unternehmen E-Plus Gruppe von einer anderen Seite vor und machen dahingehend PR, dass über die Veranstaltung berichtet wird.

Sponsoring sichert Vielfalt

Journalistische Unabhängigkeit und Pressefreiheit sind hierzulande zum Glück nicht verhandelbar.  Ich finde es großartig, dass sich Unternehmen engagieren und Kommunikationsanlässe schaffen, indem sie Dritte unterstützen. Sie mit einer kleinen Nennung dafür zu „loben“, schadet weder der Presse, noch löst das Ganze einen faden Beigeschmack aus. Es sichert eine kulturelle, gesellschaftliche und auch sportliche Vielfalt.

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Drei Bücher, die Vieles verändern (können) http://www.thecommunist.de/drei-bucher-die-vieles-verandern-konnen/ http://www.thecommunist.de/drei-bucher-die-vieles-verandern-konnen/#comments Wed, 13 Feb 2013 11:17:17 +0000 Sachar http://www.thecommunist.de/?p=143 + read more]]> Hörbücher lassen sich gut lesen.

Hörbücher lassen sich gut lesen.

Ich habe in den letzten Monaten eine neue Form des Lesens für mich entdeckt, die ich gerne vorstellen möchte. Ich weiß, dass Hörbücher an und für sich schon lange keine Innovation mehr darstellen und es sehr viele Menschen gibt, die sie seit vielen Jahren nutzen. Ich allerdings habe bis dato darauf verzichtet, weil es mir schwer fiel, mich auf “das gesprochene Wort” zu konzentrieren; hinzu kam, dass ich, wann immer ich Bücher “auditiv las”, das Gefühl hatte, müde zu werden. Warum nun der Sinneswandel? Weil ich im November letzten Jahres verstanden habe, dass ich Hörbücher im falschen Moment “lesen” wollte. Der für mich richtige Moment für ein Hörbuch ist der Weg von und zur Arbeit (ob nun in der Bahn oder im Auto). Dann bin ich nicht nur aufnahmefähig, ich bin auch imstande, die Eindrücke dermaßen schnell zu verarbeiten, dass mir viele Ideen für meine eigene Arbeit in den Sinn kommen.

Im November schloss ich ein Flexi-Abo bei Audible ab und lade seitdem im Rahmen dieses Abonnements ein Buch im Monat für 9,95 Euro runter. Seitdem habe ich drei Bücher gehört, die mir nicht nur sehr gut gefallen haben, sondern die auch teilweise meine Denk- und Arbeitsweise verändert haben, so dass ich sie gerne vorstellen möchte.

Delivering Happiness (von Tony Hsieh)

Zappos ist eine Legende – nicht unbedingt, weil das Unternehmen aus den USA schon vor gut zehn Jahren damit anfing, Schuhe (und mittlerweile auch noch viele andere Produkte) über das Internet zu verkaufen. Vielmehr ist Zappos ein Unternehmen, das wie kaum ein anderes eine “Kultur” propagiert – unter den Mitarbeitern und vor allem auch im Hinblick auf den Kunden. Wie oft hört man “Der Kunde ist König”, erlebt dann aber eine komplett andere Handlungsweise? Nicht so bei Zappos. Tony Hsieh, Geschäftsführer von Zappos, erzählt in “Delivering Happiness”, wie und vor allem wieso Zappos nicht einfach nur Schuhe verkauft, sondern aus dem virtuellen Schuhkauf ein Kundenerlebnis kreiert hat. Darüber hinaus lernt man als Leser sehr viel über Mitarbeiterführung und -motivation. Und schließlich ist es Tony Hsieh mit “Delivering Happiness” gelungen, dass ich erstmals darüber nachdenke, selbst eine Produktidee umzusetzen.

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The Happiness Advantage (von Shawn Archor)

Die klassische Pychologie beschäftigt sich (massiv vereinfacht und sachlich mit Sicherheit nicht vollkommen richtig dargestellt) mit Menschen, die unterdurchschnittlich glücklich sind und der Frage, ob und wie es gelingen kann, dass sie durchschnittlich glücklich werden. Positive Psychologie hingegen geht der Frage nach, wie man aus durchschnittlich zufriedenen überdurchschnittlich glückliche Menschen machen kann. Eins vorweg: Ich bin kein Fan von Esoterik und Selbsthilfe-Ratgebern. Als Solchen habe ich “The Happiness Advantage” aber auch nicht empfunden. Das Buch agiert sehr wissenschaftlich, führt eine Menge substanzieller Studien auf und erklärt vor allem anhand zahlreicher Beispiele, wie man für sich selbst einen Weg finden kann, Glück bewusster wahrzunehmen. Bin ich, seit ich, “The Hapiness Advantage” gelesen habe, ein glücklicherer Mensch? Wahrscheinlich nicht. Aber ich erlebe mein Glück (das Alltägliche und Außergewöhnliche) wesentlich bewusster. Randnotiz: Auf das Buch bin ich durch “Delivering Happiness” gekommen; Tony Hsieh empfiehlt es.

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Start with why (von Simon Sinek)

Wie kommt es, dass einige Unternehmen erfolgreich sind – und andere nicht? Wie kommt es, dass einige Unternehmen ein tolles Produkt auf den Markt bringen und trotzdem scheitern? Und wie kommt es, dass einige Unternehmen weitaus mehr zu scheinen als nur ein Unternehmen? Man denke nur an Apple. Simon Sinek hat eine Erklärung dafür: Während einige Unternehmen sich auf das “Was” konzentrieren und eventuell noch das “Wie” beherzigen, fokussieren sich andere Unternehmen auf das “Warum”. Sie kreieren auf diese Weise nicht nur Produkte und womöglich sogar eine Kultur, sondern schaffen eine Bewegung und einen Kult. Sinek bringt es in einem Mantra, das er immer wieder aufsagt, auf den Punkt: “People don’t buy what you do, the buy why you do it.” Und tatsächlich: Wenn ich an meine eigenen Erfahrungen denke, stelle ich fest, dass einige Projekte wesentlich erfolgreicher waren als andere, weil es mir gelungen ist, nicht nur ein “Warum” vor meinem eigenen Auge zu haben, sondern dieses auch entsprechend zu kommunizieren. Dadurch konnte ich nicht nur Aufmerksamkeit sondern echte Anhänger gewinnen. Insofern ist “Start with why” nicht nur für Unternehmer sondern auch für Kommunikations-Verantwortliche ein absolut lesenswertes Werk.

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Welche Bücher (mit einem Fokus auf PR, Kommunikation, Social Media, Marketing, Wirtschaft und Arbeit) habt Ihr zuletzt gelesen? Welche davon haben Euch begeistert und vielleicht auch verändert?

Disclaimer: Ich stehe in keinerlei Beziehung zu Audible. Ich kenne Paul Fritze, Leiter Neukundenmarketing & Social Media bei Audible, persönlich; wir gehen häufiger miteinander essen – wobei wir uns gegenseitig einladen. Was ich damit sagen möchte: Mein positiver Eindruck von Audible resultiert aus dem sehr guten Produkt und nicht aus meiner Freundschaft zu Paul.

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Der Weg zum TED-Talk http://www.thecommunist.de/der-weg-zum-ted-talk/ http://www.thecommunist.de/der-weg-zum-ted-talk/#comments Wed, 06 Feb 2013 15:08:20 +0000 Sachar http://www.thecommunist.de/?p=133 + read more]]> Beim Workshop mit Ole kann man Gedanken ordnen

Beim Workshop mit Ole kann man Gedanken ordnen und an sich arbeiten

Ende 2011 waren meine Kollegen und ich für den Politikaward nominiert. Erstmals gab es die Kategorie Social Media; klar, dass wir uns dafür (mit UdL Digital und dem BASE_camp) bewerben mussten. Uns war bewusst, dass es, wenn wir gewinnen wollten, nicht reichen würde, “nur” unser Konzept zu präsentieren. Das hatten wir in der Vergangenheit schon zu häufig getan. Der Aha-Effekt würde relativ gering ausfallen. Über mehrere Tage hinweg suchten wir nach einem probaten Ansatz – konnten ihn aber nicht finden.

TED-Talk als Lösung

Mein ehemaliger Chef, Gunnar Bender (arbeitet mittlerweile bei facebook), meinte, dass wir uns mal mit Ole Tillmann zusammensetzen sollten. Ole war uns allen nicht persönlich bekannt, aber ein Begriff – als Schauspieler und vor allem als Coach der TEDx-Berlin-Events. Gunnar und ich sind schon lange große Fans der TED-Talks. Was uns dabei stets fasziniert: Die Art und Weise, wie die Vortragenden den Hörer mit auf eine Reise nehmen und ihn Stück für Stück tiefer in die Geschichte ziehen, so dass er sich ihr weder entziehen kann noch möchte. So wollten wir beim Politikaward ebenfalls auftreten. Also trafen wir uns mit Ole Tillmann.

Mir wird bisweilen vorgeworfen, ich würde zu stark mit Übertreibungen als kommunikativem Stilmittel arbeiten. Das mag stimmen, in diesem Fall aber ist es keine Überhöhung, wenn ich sage, dass die Arbeit mit Ole ein erhellendes und für mich bahnbrechendes Erlebnis war. Ole hat uns um seinen großen Tisch gesetzt und meinte, dass wir – ohne jede Wertung – jeder für sich erzählen sollten, warum wir UdL Digital und das BASE_camp ins Leben gerufen haben, was wir uns davon versprechen, welchen Mehrwert wir Menschen damit geben möchten und warum wir glauben, dass wir dafür einen Preis verdienen. Und während wir darüber sinnierten, notierte er sich Punkt um Punkt und stellte uns hinterher Fragen, die uns klar machten, dass die Geschichte, die wir erzählen wollten, längst geschrieben ist. Vor lauter Bäumen haben wir den Wald nicht gesehen.

Tipps vom Profi

Also skizzierte er uns einen möglichen Aufbau und führte mir vor, wie ich diesen präsentieren konnte. Eine seiner Kernaussagen: Ich kann Dir die Geschichte nicht aufschreiben, dann wäre es meine Geschichte. Du solltest sie ebenfalls nicht aufschreiben, denn Geschichten sollten “live” erzählt werden. Du musst spüren, welche Schwerpunkte beim Publikum besser ankommen könnten und sie entsprechend akzentuieren. Interagier stets mit dem Publikum. Sei Deine Geschichte.

Die Arbeit mit Ole hat damals in Summe nur wenige Stunden gedauert, aber sie hat mein Denken und auch mich als Person verändert. Storytelling ist seitdem ein wesentliches Element meiner täglichen Arbeit. Die Fokussierung auf mein Gegenüber nimmt eine wesentlich zentralere Rolle ein. Und schließlich habe ich sehr viel über Körpersprache und Rhetorik gelernt.

Warum ich das alles schreibe? Ich möchte Ole Tillmann nicht nur loben, sondern eine Veranstaltung empfehlen, bei der man für lediglich 50 Euro sehr viel von Ole Tillmann lernen kann. Er wird nämlich am 25. Februar im BASE_camp ein Workshop veranstalten, bei dem die Zuhörer lernen können, was einen guten TED-Talk ausmacht. Das Geld wird komplett an die Sozialhelden von Raul Krauthausen gespendet. Raul selbst wird ebenfalls da sein.

Seitdem wir das BASE_camp Anfang 2011 eröffnet haben, habe ich mich selten so sehr auf ein Event gefreut wie auf dieses hier. Weil ich weiß, dass die Zuhöhrer mit einem riesigen Koffer an Ideen und Inspiration nach Hause gehen und zufrieden sein werden. Und darum geht es doch, oder?

P.S.: Den Preis haben wir übrigens gewonnen.

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Autorisieren von Zitaten: Ja oder nein? http://www.thecommunist.de/autorisieren-von-zitaten-ja-oder-nein/ http://www.thecommunist.de/autorisieren-von-zitaten-ja-oder-nein/#comments Wed, 19 Dec 2012 09:08:18 +0000 Sachar http://www.thecommunist.de/?p=122 + read more]]> Sollen Zitate autorisiert werden?

Sollen Zitate autorisiert werden?

Es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen Journalismus und PR: Wann immer das Thema Autorisieren von Zitaten zur Sprache kommt, wird es laut und manchmal auch sehr laut. Was ist das Problem?

Jeder, der mit Kommunikation zu tun hat und schon mal ein Interview geführt oder gegeben hat, kennt das Szenario: “Schicken Sie mir bitte die Zitate”, fragt der Pressesprecher. Der Journalist antwortet sehr professionell: “Ja, natürlich.” Dazu verpflichtet ist er freilich nicht. Und so richtig in den Kram passt ihm das Ganze auch nicht unbedingt. Denn: Sehr wahrscheinlich schreibt er das Interview nicht auf Basis seiner Erinnerung, ein Diktiergerät lief die ganze Zeit mit, so dass das Gesagte gesagt wurde und nun protokolliert dargestellt werden kann. Wozu also bitte Zitate autorisieren lassen?

Autorisieren in einer perfekten Welt unnötig

In einer perfekten Welt, in der Pressesprecher und PR-Verantwortliche ihre Kollegen, die mit der Presse sprechen, ordentlich vorbereiten, in der eben diese Kollegen sich an die Kommunikationsstrategie und vielleicht sogar an die Wordings halten, in der Journalisten Zitate weder verändern, noch aus dem Zusammenhang reißen und schon gar nicht zuspitzen, in einer solche Welt ist es müßig, sich über das Autorisieren von Zitaten zu unterhalten. Doch leben wir nicht in einer solche Welt. Dazu habe ich zwei Beispiele.

Als Pressesprecher geprellt

1. Als ich bei scoyo arbeitete und dort die Unternehmenskommunikation verantwortete, hat mein CEO einem Wirtschaftsmagazin ein Interview gegeben. Es ging um die Strategie, um das Produkt und um den Markt im Allgemeinen. Keine große Nummer, keine außergewöhnliche Geschichte. Da keine außergewöhnlichen Fragen gestellt wurden, gab es auch keine außergewöhnlichen Antworten. Wir waren hinterher mit dem Verlauf des Interviews trotzdem ziemlich zufrieden, weil alle Punkte, die uns wichtig waren, zur Sprache kamen – wenn auch nicht zum ersten Mal. Natürlich fragte ich hinterher: “Schicken Sie mir bitte vor Veröffentlichung die Zitate zu?” Und natürlich antwortete der Journalist “Natürlich.” Ich war ein wenig erstaunt, als die Zitate auch noch ein paar Tage später nicht kamen und wir uns so langsam dem Tag der Veröffentlichung näherten. Also übernahm ich selbst die Initiative und meldete mich bei dem zuständigen Journalisten – ohne Erfolg. Er ignorierte sowohl Mails als auch Anrufe. Also ging ich an den Ressortleiter, der sehr freundlich reagierte und dafür sorgte, dass ich einen Rückruf erhielt. “Stress”, war die Ausrede. Kann passieren; kennen wir alle. Eine Stunde später lagen mir sieben Zitate zum Autorisieren vor. Fünf kamen mir sehr bekannt vor, so dass ich dahinter einen Haken machen konnte. Zwei Äußerungen aber überraschten mich. Ich hielt Rücksprache mit meinem CEO; er war auch ein wenig konsterniert. Glücklicherweise nehme ich selbst jedes Interview, dem ich beiwohne, auf. Also hörte ich rein. Zwei Mal. Ich konnte die Äußerungen nicht finden. Sie wurden einfach nicht getätigt. Also rief ich erneut den Journalisten an, dieses Mal glückte die Kontaktaufnahme sofort; schließlich stand der Redaktionsschluss unmittelbar bevor. “Es tut mir sehr leid, aber ich kann die Zitate drei und sechs nicht autorisieren. Wir haben diese Äußerungen nicht getätigt.” – “Doch, doch. Ich habe das Ganze auf Band hier. Klar und deutlich kann ich das hören.” – “Das ist gut, denn ich habe auch ein Band mitlaufen lassen, und mir fehlt eben dieser Teil. Verwenden Sie ein digitales Gerät? Dann können Sie mir das Ganze ja kurz per mp3 schicken…” Ich mache es kurz: Ich bekam weder eine mp3, noch ist das Interview jemals erschienen. Die Geschichte wurde kurzfristig, sehr kurzfristig mit dem Verweis auf eine brandaktuelle andere Nachricht aus dem Blatt genommen; später hat es nicht mehr gepasst. Hätte es gepasst, hätten wir ein Problem bekommen, weil Details über das Unternehmen in den Umlauf gekommen wären, die nicht der Wahrheit entsprachen. War an dieser Stelle das Autorisieren von Zitaten sinnvoll? Es war sogar absolut notwendig.

Als Journalist um die Story betrogen

2. Bevor ich zur Public Relations bzw. Public Affairs wechselte, arbeitete ich einige Jahre als Journalist. In dieser Zeit habe ich sehr viele Interviews geführt – mit Schauspielern und Regisseuren, Sängern und Musikern, Sportlern und Autoren. Es begab sich, dass ich einen Journalisten traf, der gerade sein erstes Buch veröffentlicht hatte. Ein tolles Werk, das nicht nur mein Interesse weckte. Pointiert geschrieben und mit einer tollen Storyline. Umso glücklicher war ich, dass das Interview zustande kam. Fast zwei Stunden saßen wir beisammen und unterhielten uns. Es war ein amüsantes Gespräch, von uns beiden sehr locker geführt. Umso größer war später mein Glück, als ich das Band abhörte und einige Äußerungen darauf hörte, die mit Sicherheit Aufsehen erregen würden. Es war die Zeit, in der Dieter Bohlen seine erste Autobiographie (ein riesiger Erfolg damals) veröffentlichte und Katja Kessler, seine Co-Autorin und Ehefrau von Kai Diekmann, deswegen in der Medien-Szene durchaus im Gespräch war. Wir unterhielten uns über das Genre der Biographien und Kessler, was meinen Interview-Partner dazu verleitete “Kessler ist die Pest” zu sagen. Gesagt ist gesagt; das Tonband habe ich heute noch. Für mein Verständnis ist das eine Aussage, die Echo hervorrufen müsste. Also habe ich daraus eine Zwischenüberschrift gemacht. Und weil ich als Journalist fair sein wollte, habe ich unaufgefordert das fertige Interview zum Autorisieren rübergeschickt. Wie gesagt: Ich wollte fair sein. Vielleicht habe ich ja irgendwo ein Wort falsch verstanden, oder aber der Duktus passte dem Autor nicht. Kommt vor; ist ja auch keine große Sache, das zu ändern. Was ich dann aber las, als ich die Antwort erhielt, erstaunte mich über die Maßen: Der ganze Teil zu Bohlen, den Biographien und vor allem das Zitat fehlte komplett. Einfach gestrichen. Warum? Ist ja klar. Das war dem Autor dann doch zu heikel. Verstehe ich. War es auch. Nur: Gesagt ist gesagt. Wenn man nicht imstande ist, sich seiner Wort bewusst zu sein, sollte man keine Interviews geben. Und eigentlich auch keine Bücher schreiben. Ich habe einige Tage darüber nachgedacht, wie ich verfahren soll: Darauf bestehen; ich hatte ja alles auf Band? Oder “fair” sein und den Wünschen des Autors entsprechen? Ich entschließ mich zur zweiten Variante. Das Interview aber war in meinen Augen wertlos. Das Gespräch ein Geplätscher ohne Pointen und ohne Punchline. Ich habe es trotzdem publiziert. Wie sehr habe ich mich dafür gehasst, dass ich die Zitate zum Autorisieren verschickt habe.

Ich kenne also beide Situationen: Die Rolle des “betrogenen” oder aber zumindest missverstandenen Pressesprechers und ebenso die des gehörnten Journalisten. Als ich dann also vor kurzem las, dass die New York Times das Autorisieren von Zitaten abschafft, war ich mit mir selbst im Zwist: Ist das nun eine gute Sache, oder nicht? Und für wen? Bis heute habe ich keine Antwort darauf gefunden. In einer perfekten Welt wäre es keine Nachricht wert gewesen. In einer perfekten Welt werden nur solche Äußerungen getätigt, die druckreif sind und ebenso von Journalisten aufgefasst und publiziert. Wir leben aber in einer Welt, auf die weder das Eine noch das Andere zutrifft. Ich fürchte, auch bei der New York Times ist es nicht anders.

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Links: Diese hier sollte man klicken http://www.thecommunist.de/links-diese-sollte-man-klicken/ http://www.thecommunist.de/links-diese-sollte-man-klicken/#comments Tue, 04 Dec 2012 16:32:13 +0000 Sachar http://www.thecommunist.de/?p=112 + read more]]> Links, die man geklickt haben sollte

Lese-Empfehlungen

Schon die alten Griechen wussten es: Panta rei – alle fließt; die Welt ist in ständiger Bewegung. Gerade in Zeiten eines facebook-Streams und von twitter-Updates bekommt man das Gefühl, das ständig irgendwo irgendwas passiert. Hier ein neuer Shitstorm, dort ein neues Viral, das durch die Decke geht. Hin und wieder werde ich daher Links posten, die mich nicht loslassen und von denen ich glaube, dass man sich zumindest ein paar Minuten mit ihnen beschäftigt haben sollte.

Microsoft kann auch anders

Microsoft stellt tolle Sachen her. MS Office ist die wahrscheinlich am meisten unterschätzte Software, und trotzdem wird Microsoft nicht geliebt werden. Im Gegenteil: Ich kenne Viele, die nur das Wort Microsoft zu hören brauchen und abwinken. Bis zu einem gewissen Grad kann ich sie verstehen: Microsoft berührt zu wenig. Stop. Hier die Ausnahme, die zeigt, dass Microsoft auch anders kann.

Der smarte Jeff Bezos

Jeff Bezos, Gründer von Amazon, wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich der meistinterviewte CEO der Welt werden. Seit dem Tod von Steve Jobs schafft er es sehr geschickt, sich als absoluter Vorreiter und Vordenker einer neuen digitalisierten Welt zu positionieren. Und nicht nur das: Bei all dem kommt er auch noch wahnsinnig sympathisch rüber. Hier ein Interview mit ihm, das man gesehen haben sollte.

Gefangen im Tunnelblick

Seit einiger Zeit schon befasse ich mich sehr intensiv damit, wie sich unsere Gesellschaft durch die Digitalisierung verändert. Nicht alles, was ich lese und sehe, stimmt mich glücklich. Ein Text, mit dem ich an einigen Punkten sehr übereinstimme, thematisiert die „verengte Wahrnehmung“ und spricht von einem Tunnelblick.

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E-Mail: Ein häufig unterschätztes Kommunikations-Tool http://www.thecommunist.de/e-mail-ein-haufig-unterschatztes-kommunikations-tool/ http://www.thecommunist.de/e-mail-ein-haufig-unterschatztes-kommunikations-tool/#comments Fri, 23 Nov 2012 09:52:14 +0000 Sachar http://www.thecommunist.de/?p=105 + read more]]> Die E-Mail: Ein fast in Vergessenheit geratenes Tool

Die E-Mail: Ein fast in Vergessenheit geratenes Tool

Im Laufe der letzten zweieinhalb Jahre, seitdem ich für die E-Plus Gruppe in der politischen Kommunikation tätig bin, musste ich feststellen und lernen, dass das Digitale, egal wie sehr wir es auch propagieren, nicht bei Allen ankommt.

Gerade im politischen Betrieb sind Medien aus Holz, Papier also, noch immer sehr gefragt. Wenn wir also extrem großen Wert darauf legen, dass eine Information beim Rezipienten ankommt, kommunizieren wir sie nicht nur über unser Blog UdL Digital (und somit über twitter, facebook und Google+) sondern auch und vor allem per Brief.

Killt Social Media die E-Mail?

Ein Tool, das in der öffentlichen Wahrnehmung mit Aufkommen von Social Media immer stärker in den Hintergrund gerückt ist, ist – kein Witz – die E-Mail. Jahrelang habe ich bei mir selbst die Tendenz wahrgenommen, dass die wesentlichen Informationen mich am schnellsten über twitter, RSS-Reader und facebook (in dieser Reiheinfolge) erreichen. Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich vor lauter Informationen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen habe.

In erster Konsequenz habe ich meinen Stream bei facebook und twitter schlanker gefasst – weniger Menschen, denen ich folge; weniger Unternehmen, die ich „mag“. Und natürlich habe ich Blogs aus meinem RSS-Reader gelöscht. Doch das allein reichte nicht aus. Immer noch zu viele Informationen. Und vor allem zu viele Informationen, die mir eigentlich wichtig sind und mich trotzdem nicht erreichen, weil sie in einem Stream zu massive Konkurrenz erfahren.

E-Mail kommen an – garantiert

Was sich als extrem sinnvolle Maßnahme erwiesen hat: Ich habe Dienste, die mir wichtig waren, und die ich bis dato hauptsächlich über Social Media rezipiert habe, per Mail als Newsletter abonniert. Das geht nicht nur bei Diensten wie turi2, Meedia etc., auch viele Blogger bieten das an – etwa Nico Lumma oder Christian Bölling.

Nun gibt es diesen Service auch hier bei The Communist. Was man dafür leisten muss? Die eigene E-Mail Adresse rechts in der Navigation unter Newsletter eintragen. Prompt landet jeder neue Beitrag per Mail im digitalen Briefkasten. Klingt sehr simpel und fast banal? Ist es auch. Für mich aber war es die mit Abstand effizienteste Maßnahme, um solche Medien, deren Beiträge mich interessieren, garantiert nicht mehr zu verpassen.

Und wer am Ende das Gefühl hat, zu viele E-Mail zu erhalten, sollte sich Unroll.me anschauen. Mit diesem sehr hilfreichen Service kann man innerhalb von Sekunden Newsletter abbestellen.

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Punchline: Das A und O in der Kommunikation http://www.thecommunist.de/punchline-das-a-und-o-in-der-kommunikatio/ http://www.thecommunist.de/punchline-das-a-und-o-in-der-kommunikatio/#comments Tue, 06 Nov 2012 06:48:17 +0000 Sachar http://www.thecommunist.de/?p=88 + read more]]> Muhammad Ali war ein Meister der Punchline - im Ring und außerhalb

Muhammad Ali war ein Meister der Punchline – im Ring und außerhalb

Die Punchline ist das A und O in der Kommunikation, schließlich sorgt sie dafür, dass aus einem guten Gedanken eine Schlagzeile wird. Der Schlüssel für eine starke Punchline: Vorbereitung und twitter.

Es gab Zeiten, sie liegen noch keine Ewigkeit zurück, da waren Gespräche mit klassischen Medien, also Interviews, für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit, einen Mitarbeiter, ob nun Geschäftsführer, Pressesprecher oder Sonstigen, mit Bild und Stimme zu „platzieren“. Heute hingegen kann man für den CEO oder jeden anderen Mitarbeiter ein Profil auf twitter, facebook, Google + und vielen anderen Netzwerken einrichten, Statements abgeben und so dem Unternehmen viele verschiedene Gesichter geben. Dies bringt auch einige Herausforderungen mit sich (und damit meine ich nicht die Social Media Governance und somit Social Media Guidelines).

In der Kommunikations-Steinzeit, also hauptsächlich vor dem Jahr 2006, war es so, dass die wenigsten Unternehmen täglich mit der Presse kommunizierten. Schlägt man die Tageszeitung auf und verfolgt die Berichterstattung über mehrere Tage, stellt man fest, dass vielleicht über 500 oder auch 600 Unternehmen im Wirtschaftsteil regelmäßig berichtet wird. Insofern war es damals enorm wichtig, dass man die wenigen Gelegenheiten, die sich einem boten, nutzt. Teilweise über Wochen hinweg wurden Wordings vorbereitet, abgestimmt und Gesprächssituationen geprobt.

Wordings zur Vorbereitung

Wordings mussten kurz, knapp, präzise und pointiert sein – so dass andere Medien sie leicht zitieren konnten. Gerade twitter mit seiner Beschränkung auf 140 Zeichen hat dazu geführt, dass heute viel mehr Menschen als jemals zuvor imstande sind, auch komplexeste Sachverhalte so kurz und knackig zusammenzufassen, dass sie zitierfähig sind.

Aufgrund der Tatsache aber, dass wir heute bei twitter, auf facebook in einem Blog, auf einem Google+-Profil, per Mail und ich weiß nicht wo noch alles schriftlich miteinander kommunizieren, extern kommunizieren, und auf diese Art permanent Öffentlichkeiten erreichen, sind die langen Vorbereitungszeiten, das Training, oft Geschichte. Nur in den allerseltensten Fällen nehmen wir uns die Zeit, über eine Punchline nachzudenken. Den Begriff hat Sascha Lobo kürzlich in der FTD geprägt. Er erzählt davon, wie wichtig ihm Vorbereitung sei und dass er sich vorab stets zwei oder drei einprägsame Sätze, die einen „Erkenntnisgewinn“ bieten, überlegt. Als Punch bezeichnet man im Boxen einen harten Treffer. Eine Punchline ist also eine Aussage, die sitzt.

Punchlines ohne Ende im US-Wahlkampf

Im Tagesspiegel ist unlängst ein Bericht über den US-Wahlkampf in den Online-Medien erschienen. Darin wird Lobos Punchline aufgenommen und auf Spitze getrieben: „In der Vergangenheit enthielten politische Reden vielleicht ein, zwei starke, zugespitzte Sätze, formuliert für den Zweck, von den Zeitungen des Folgetages als wörtliche Zitate aufgegriffen zu werden. Heute allerdings schauen sich Wähler die Reden gleich in Gänze auf Youtube an und entscheiden selbst, welche Teile sie am besten finden. Die Redenschreiber haben sich darauf eingestellt und versuchen jetzt, jeden Satz wie ein knackiges Zitat klingen zu lassen.“

Keine Punchline – kein Treffer

Bleiben wir beim Bild des Boxers: Es gibt Kämpfer, die permanent aktiv sind, über eine hervorragende Beinarbeit verfügen – aber keine Treffer setzen. Es gibt auch das krasse Gegenteil: Ein Boxer, der mit einem einzigen Schlag seinen Gegner einen K.O. zufügen kann. Und natürlich viele Variationen dazwischen. Unterm Strich aber gewinnt man weder einen Box-Kampf ohne Treffer, noch ist man in der Kommunikation erfolgreich, wenn man ohne Punchlines arbeitet.

Insofern kann man das Training des Boxers kopieren. Wer ein erfolgreiches Interview absolvieren möchte, sollte an seinem Punch arbeiten. In der Regel werden vorab Gesprächsblöcke, Schwerpunktthemen mit dem Journalisten abgesprochen. Auch für die Presse ist es von Vorteil, wenn der Gesprächspartner gut vorbereitet ist und präzise Antworten geben kann. Zu jedem Gesprächsblock sollte man am besten eine Punchline vorbereiten. Diese kann sich durchaus an twitter orientieren, heißt also: In 140 Zeichen eine Pointe verpacken. Dann bleiben von einem Interview nicht nur ein angenehmer Eindruck sondern auch zitierfähige Aussagen.

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Wozu in Zeiten von facebook ein Blog? http://www.thecommunist.de/blogs-wozu-jetzt-noch/ http://www.thecommunist.de/blogs-wozu-jetzt-noch/#comments Mon, 29 Oct 2012 08:02:31 +0000 Sachar http://www.thecommunist.de/?p=65 + read more]]> Wozu noch Blogs, wenn es facebook gibt?

Wozu noch Blogs, wenn es facebook gibt?

Herzlich Willkommen bei „The Communist“. Bitte verstehen Sie den Titel nicht falsch. Er ist nicht politisch gemeint. Satire ist zwar nur halb so lustig, wenn sie erklärt wird – gleichwohl möchte ich unter keinen Umständen ein solches Missverständnis riskieren. Es geht in diesem Blog nicht um Politik sondern um Kommunikation. Ich, Sachar Kriwoj, arbeite seit 2001 im Kommunikations-Umfeld, zuerst als Journalist, später als Pressesprecher und aktuell als Leiter Digital Public Affairs bei der E-Plus Gruppe. Ein sperriger Titel. Und vor allem ein Titel, der mehr Fragen aufwirft, als dass er sie beantwortet. Im Laufe der nächsten Monate werde ich näher auf Digital Public Affairs eingehen.

Kommunikation ist ein Teil von uns

Wir schreiben das Jahr 2012. Kommunikation, digitale Kommunikation, erscheint uns mittlerweile selbstverständlich. Dank fast flächendeckendem Internet, Smartphones und Tablets kann heutzutage fast jeder kostengünstig online gehen – und die Menschen tun es auch. Sie nutzen Apps so selbstverständlich, wie sie mit dem Bus fahren. Sie posten auf facebook ebenso routiniert, wie sie den Müll wegbringen. Sie schreiben Mails von unterwegs ebenso beiläufig, wie sie Werbeprospekte durchblättern. Kommunikation ist überall und allgegenwärtig. Vor allem ist Kommunikation schnelllebig geworden – mitunter auch anstrengend. Sekündlich vibriert das Handy und dokumentiert, dass irgendwo ein Sack Reis umgefallen ist. Oder noch schlimmer: Man meint, das Handy würde vibrieren, weil es ja ständig vibriert.

facebook, twitter, Xing und Google+ sind Werkzeuge, auf die das Marketing und die Unternehmenskommunikation schon heute nicht mehr verzichten kann. Wozu dann überhaupt noch Blogs? Sind Blogs im Jahr 2012 noch zeitgemäß? Waren Blogs überhaupt jemals mehr als private Tagebücher?

Wozu noch Blogs?

In meinen Augen sind Blogs heute mehr denn je ein Tool, auf das man als Kommunikator nicht verzichten kann. Gerade weil Kommunikation so schnell geworden ist, braucht es Blogs. Hier müssen Texte keine 140 Zeichen lang sein, hier kann man auch über mehrere Absätze schreiben. Hier haben Texte auch noch Tage, Wochen und vielleicht sogar Monate nach Veröffentlichung eine Daseinsberechtigung und gehen im Stream nicht verloren. Hier kann man den Texten durch ein eigenes Design ein Gesicht, eine Identität geben.

Sucht man bei Google nach „Gründe fürs Bloggen“, findet man drei, fünf, sieben und sogar 99 Gründe fürs Bloggen. Nach fünf Jahren Bloggen kann ich für mich fünf Gründe definieren, warum Bloggen sinnvoll ist:

  •  Eigene Regeln

Bin ich bei facebook, twitter und anderen Plattform von den Geschäftsbedingungen der Anbieter abhängig, die sich unter Umständen auch ändern und somit meine Strategie über Nacht gefährden können, definiere ich in meinem Blog eigene Regeln.

  • Eigene Identität

Auftritte bei twitter oder facebook können variieren, unterm Strich sieht aber alles nach facebook oder twitter aus. In meinem eigenen Blog definiere ich das Design und transportiere so auch Werte, die mir für meine Kommunikation wichtig sind.

  • Mehr Raum für Gedanken

Bei twitter darf ein Update 140 Zeichen lang sein. Bei facebook wurde die Reglementierung aufgehoben; trotzdem gehört es zum guten Ton, sich nicht zu ausschweifend zu äußern. In einem Blog kann man und darf man elaboriert und umfangreich schreiben. Hier kann man seinen Gedanken Raum und Tiefe geben und so auch die Wertigkeit der Beiträge erhöhen.

  • Faktor Zeit

Wird etwas auf twitter oder facebook gepostet, sieht man sich dazu verleitet und fast schon genötigt, innerhalb von Minuten oder Sekunden zu antworten. In dem Kontext spreche ich deshalb gerne von Impulskommunikation; kaum ein intelligenter Mensch ist imstande, sich innerhalb so kurzer Zeit umfangreich Gedanken zu machen und diese dann auch noch sorgfältig zu formulieren. In einem Blog hat man alle Zeit der Welt und sollte sich auch diese nehmen. Ein Blog ist wie ein Körbchen für den Hund; man beschmutzt es nicht. Kleine und große Geschäfte kann man auf twitter und facebook erledigen – mit seinen eigenen vier Wänden hingegen aber geht man sorgsam um.

  • Nachhaltigkeit der Inhalte

Beiträge bei twitter überdauern, wenn es gut läuft, einen halben Tag. Beiträge auf facebook maximal einen Tag. Ein Blog hingegen hat eine ganz andere Dynamik. Durch Suchmaschinen werden auch noch Monate und sogar Jahre später interessierte Besuche angezogen. Somit können Themen erst zu Themen werden und auch den Zeitgeist überdauern.

Wer auch schon mal ein Blog betrieben hat, weiß, dass es jenseits von drei, fünf, sieben oder 99 Gründen eine übergeordnete ganz wesentliche Motivation gibt: Spaß. Solange es mir Spaß macht, werde ich an „The Communist“ schreiben.

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